News 2015

Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels

Hüte dich vor Rassul!
MÜNSTER Die Stadtbücherei Münster liegt an diesem Nachmittag mitten in Kairo. Anastasia Cruz und ihre Freunde wagen sich gerade ins Reich der Skorpione vor. Schaffen sie es, die geheimnisvollen Bücher des Thot zu finden, oder kommt ihnen die Grabräuberbande der Rassul zuvor? Oder heißt es Razuul? Oder Rasull?Von Sabine Müller

Man hätte gestern fast vergessen können, dass man beim Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels war. So spannend war die Geschichte, die Organisator Peter Seiler von der Buchhandlung Schatzinsel ausgesucht hatte. Es war eine ganz besondere Wahl: Der Erfinder von Anastasias Ägypten-Abenteuer, der münstersche Autor Dirk Reinhardt, war nämlich eines der sechs Jurymitglieder und durfte mitbestimmen, wer Münster auf Bezirksebene vertritt. „Ihr dürft jetzt dem Autor sein Buch vorlesen“, verkündete Seiler. Und das taten die 22 Schüler auch – und zwar enorm perfekt.

Die besten Sechstklässler

Alle 22 haben zwei Dinge gemeinsam: Sie besuchen die sechste Klasse und sind die besten Leser ihres Jahrgangs an ihren Schulen. Zum Stadtentscheid traten sie im Lesesaal der Stadtbücherei gegeneinander an. In der ersten Runde lasen sie aus einem Buch, das sie sich selbst ausgesucht hatten, dann kam der unbekannte Text: Jeder las eine Seite aus „Anastasia Cruz. Die Bücher des Thot“.

Zwei machten das besonders gut. In der Gruppe der Hauptschulen überzeugte Sabrina Großmann von der Hauptschule Coerde. Sie hatte in der ersten Runde aus ihrem Lieblingsbuch „Blutsbrüder“ von Mikael Ollivier gelesen. In der Gruppe der Gymnasien und Realschulen hatte Mathilde Winterkemper vom Annette-Gymnasium die Nase vorn. Sie brachte das ganze Publikum zum Lachen mit „Wir alle für immer zusammen“ von Gus Kuijer.

Harry Potter ist out

Eines fiel auf bei den Wunschtexten: Harry Potter ist out. Keiner setzte mehr auf die Zauberbücher. Stattdessen feierte ein Klassiker Auferstehung: Gleich zweimal wurde aus „Der geheime Garten“ von Frances Burnett gelesen. Es gab auch keine Scheu vor ernsten Themen wie Krankheit („Der Himmel kann noch warten“ von Gideon Samson) oder geistige Behinderung („Simpel“ von Marie-Aude Murail).

Das Niveau der Vorleser war durchweg hoch, die eigenen Texte waren gründlich vorbereitet worden. Schwieriger wird es, wenn man den fremden Text auch so flüssig und vor allem spannend vorlesen soll, die Atmosphäre des Buches blitzschnell erfassen muss. So, dass man tatsächlich meint, bei den Skorpionen zu sein. Dann ist es auch egal, dass Rassul eigentlich wie Rasuul gesprochen wird.

ZUR SACHE

Seit 1959 richtet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Vorlesewettbewerb einmal im Jahr aus, in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken und Schulen. Er zählt zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben. Mehr als 700 000 Kinder der 6. Klassen aller Schularten beteiligen sich jedes Jahr an rund 8000 Schulen. In Münster haben sich in diesem Jahr 22 Schulen an dem Wettbewerb beteiligt. Nach den Klassen- und Schulentscheiden wird auf Stadt-, Bezirks- und Landesebene entscheiden. Der Bundesentscheid ist im Juni in Berlin.

MZ, Februar 2011

 

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